
In der Politik gibt es das Sprichwort, dass
zusammenwächst, was zusammen gehört. Die gilt offensichtlich
auch für das „Eric Plandé P.O.P.-Trio“, das jetzt im Rahmen der
Rüsselsheimer Jazzfabrik seine energiegeladene Melange aus
freiem Jazz und Hardbop nonstop präsentierte. Der Franzose
Plandé, der sein pulsierendes, ekstatisches und weitgehend
ungebundenes Spiel mit einem Hauch von Lyrik bereits in einem
früheren Trio mit Bülent Ates und Jürgen Wuchner sowie in der
Kombination mit dem Pianisten Joachim Kühn ausleben durfte, hat
in dem Wiesbadener Tastenkünstler Uwe Oberg einen ebenso
energiegeladenen Partner gefunden, der selbst tastende
Single-Notes oder hymnische Akkordblöcke kraftvoll ins Klavier
hämmert. Vervollständigt wird das Trio durch den amerikanischen
Schlagzeuger Peter Perfido, dessen „klangfarbiges“ Spiel auf den
Trommeln, Becken und unterschiedlichsten Percussionsinstrumenten
das frühere Marimbaphon-Studium verrät, ist ein hart treibender
und dennoch stets kontrollierter und transparent klingender
Rhythmiker, der vielschichtig und manchmal sanft sensibel das
Duo-Spiel von Flöte und Piano untermalt.

Das traumhaft sichere Zusammenspiel der drei Künstler zeigt sich dichten und komplexen Kollektiven sowie in den unterschiedlichen Duetten, die jeweils vom Dritten einfühlsam begleitet werden. Es entsteht ein Sound wie ein Gespinst, aus dem es kein Entrinnen gibt. Auch wenn er Klang naturgemäß vom Blasinstrument geprägt wird, bleibt P.O.P. – wie auch die Soli belegen – ein Trio gleichberechtigter und ebenbürtiger Partner.
Oberg hat in der Symbiose des sperrigen Thelonious Monk und des
eruptiven Cecil Taylor seine persönliche Ausdrucksform
entwickelt. Er kann wie in seiner Komposition „Due“ swingen,
folkloristische, Läufe aus den Tasten perlen lassen, aber auch
wie in „Macrobiotic Mood“ Akkordblöcke aufschichten oder in
sperrigen Clustern explodieren. Auffallend ist die Neigung des
Pianisten zu repetitiven Melodiefragmenten. Hin und wieder
zitiert Oberg die Romantik – besonders dann, wenn Plandé auf
seiner Flöte sanfte uns flirrende Melodien anstimmt oder auf dem
Tenorsaxophon fast lyrische cantable Läufe bläst.

Der Franzose liebt Kontraste, lässt solch singbaren und
hymnischen Einleitungen freie Klangexplosionen folgen und findet
schließlich zu einem seiner bevorzugten sanft verklingenden
Finales. Sonore Passagen beschließt er oft mit spitzen und
überblasenen High-Notes oder kontrastiert sie mit rasenden
Akkordkaskaden. Dann krümmt Plandé seinen Oberkörper, geht in
die Knie und scheint sich die Seele aus dem Leib zu blasen.
Oberg wiederum windet sich zu kantig gehämmerten Läufen, hebt
sich vom Hocker oder zieht das rechte Knie an. Einmal greift er
in Plandés „Impressionistische Pflaume“ die Saiten im Klavier
und assoziiert mit dem Instrument den Klang einer Maultrommel.
Perfido bearbeitet die Becken mit Klöppeln und sanftem
Besenstrich. Er lässt einen Gong wie Glocken klingen, scheint
später beim treibenden Trommelspiel mit offenem Mund nach Luft
zu schnappen, während ihm die Spielfreude fast buchstäblich ins
Gesicht geschrieben steht. Die Künstler gehen in ihrer Musik auf
und reißen das begeisterte Publikum im Jazzcafé „das Rind“ mit.