

Die Musik Verdis ist für den Komponisten Ilg nur Ideengeber. Die
Harmonien in Verdis „Otello“ tauchen bei ihm jazzig abgewandelt
auf. Doch die Emotionen dieses tödlichen Dramas von gekränkter
Eitelkeit, hilfloser Liebe , von Rache, Intrige und Eifersucht
stecken auch in den Sätzen des Trios. Mal gefühlvoll in den
Single-Notes tastend, mal eruptiv die Akkorde zu gewaltigen
Bergen aufschichtend, greift Pianist Rainer Böhm die Thematik
auf. Patrice Heral führt sanft die Besen über die Felle,
wechselt von afrikanischen Rasseln zum groovenden Beat. Ilg
seinerseits baut weite Spannungsbögen mit Ostinati, verzaubert
in langen Solo-Läufen mit überraschenden harmonischen Wendungen
und Verzierungen und streicht mit dem Bogen in den Tiefen in
klassischer Stimmung bevor er knapp unter dem Steg ein paar Töne
in den höchsten Lage zupft. Das Trio springt ständig in
dynamischen Abstufungen, wechselt einmal kurz in einen
Drei-Viertel-Takt. Das Motiv des Feuerchores „Fuoco di gioia“
mündet in eine swingende und kraftvoll groovende Passage, „A
questa tua“ wird von wuchtigen Bass-Griffen illustriert. Dass
der Bösewicht „Jago“ mit einem fesselnden Bass-Solo-Ilgs,
expressiven Clustern auf dem Piano und mit Herals heiseren
Scat-Einlagen sowie gescratchten Sampels in einem treibenden
Groove charakterisiert wird, kann da nicht verwundern. Mit einem
sanften und lyrischen „Für immer und ewig“ verabschiedet sich
Ilg von seinem langjährigen und im vergangenen Jahr verstorbenen
Freund Charlie Mariano.

Ein Klangästhet und -tüftler wie der deutsche Bassist ist der
norwegische Pianist Tord Gustavsen. Mit seinem Quartett mit dem
Bassisten Mats Eilertsen, dem Schlagzeuger Jarle Vespestad und
Tore Brunborg an Sopran- und Tenorsaxophon wandelt Gustavsen
zwischen fragilen, lichten Impressionen und kraftvoll treibenden
Expressionen. Melancholie kontrastiert mit Vitalität. Eine
Uraufführung ist „Intuition“ mit einer sonoren Intro auf dem
Tenorsaxophon und den sparsamen Akkordeinwürfen auf dem Piano,
während Vespestadt die Felle mit den Besen streichelt und
Eilertsen auf dem Bass straight die Basis zupft. In seinen
Kompositionen verbindet Gustavsen Keith Jarretts ausschweifende
Klangfindungen mit der Hymnik eines Abdullah Ibrahim und der
Inbrunst des Memphis-Soul. Eilertsen assoziiert in einem Solo
mit leicht knarrendem Bogenstrich und Sphärenklängen die kühle
und endlose Weite des Nordens, Vespestad trommelt sein Solo
vielschichtig über einem durchlaufenden Beat. Soundprägend
jedoch sind der Pianist und den Saxophonist, wenn sie sich
kraftvoll duellieren, wenn Gustavsen in einem Kinderlied „Left
over Lullaby“ zu den geriebenen Becken perlende Notenketten
aufreiht oder Brunborg in sanften Läufen die Atemgeräusche mit
Obertönen anreichert. Ruhe, Konzentration und Emotion sind die
Kennzeichen des norwegischen Quartettsbei der Vorstellung ihrer
CD „Restored, returned“ und es kommt damit beim begeisterten
Publikum in Mainz an.