Sie
sind die Voodoo-Teufel aus dem Rhein-Neckar-Dreieck. Sie verhexen ihre
Zuhörer mit groovenden und rockenden Rhythmen, mit satten Bläsersätzen
und brodelnder Percussion. Ihre Wurzeln haben sie im alten New Orleans,
wo in den Brass Bands die Musiker mit Trommeln und dem Takt
angebenden Sousaphon hinter Trompeten, Kornetts und Posaunen durch
die Straßen marschierten. Wen wundert´s also, dass die „Mardi Gras.
BB“ sich unters Publikum im 3sat-Zelt mischt, das rhythmische Feuer
der Kreolen entfacht und quirlig durcheinander wirbelt, bevor sie
auf der Bühne mit ihrem DJ Mahmut zusammentrifft. Der motzt im weiteren
Verlauf des Konzertes die schrägen Kompositionen collagenartig mit
gescratchen Puzzleteilen auf.
Denn in der Tradition der Marching Bands aus New Orleans liegen nur die Wurzeln jener Mixtur, mit der die elf Musiker das Publikum zum rhythmischen Wiegen und Zucken der Körper verleiten, weil nun mal im engen Rund des Zeltes und der Stuhl- und Bankreihen kein Platz zum Tanzen ist.
Sänger
„Doc“ Wenz, von zu Hause Mediziner, schreibt die Songs und die
meisten Arrangements. Er hat ein Faible für schräge Harmonien und entlässt
die Band im „Country Funkyfier“ auch mal ins chaotische, freie
Kollektiv. Rockigen Rhythm&Blues erlebt die Mardi Gras BB bei
„Dreamtime in Memphis“, tanzt einen Cha-Cha-Cha, attackiert das
Publikum mit einer ausgefallenen Interpretation von „Kung Fu
Fighting“ und parodiert in einer der Zugaben China-Sing-Sang in „Hop
sing song. Hinter den kochenden Soli der Saxophonisten Christl Marley
und Steffen Weber pulsieren die Trommler Erwin Ditzner und Drago von
Traben. Gleißend sind die Blechbläsersätze von Chris Bishop und
Kaeptn Kipper an den Flügelhörnern sowie den Posaunisten Robert Göring
und Uli Roesner. Und hinter allen stößt stützend Reverend Krug seine
Bass-Riffs ins mächtige Sousaphon. So geht es quer durch die Gefilde
des Jazz, Latin, Gospel, Country und Rock. Anfeuernd und mitreißend.
Die Band ist stets in Bewegung und lässt auch dem Publikum kaum Zeit
zum Luftholen - mit einer Ausnahme: der schon fast rührselig gesungenen
und mit einem wohligen Trompetensolo angerichteten Ballade „Desert
Rose“.
Als die Band schließlich nach einigen Zugaben durch die Reihen des Publikums jammt, stellen die Zuhörer enttäuscht fest, dass die 90 Minuten Powerplay an diesem Abend keine Fortsetzung finden. (Sendetermin: 30. Dezember 2002, 13.45 Uhr)