
MONSHEIM
„Schwarz“ ist die Stimme Sängerin Nicole Metzger. Weit tragend im
Rund der Anhäuser Mühle in Monsheim bei Worms. Schwarz ist
allerdings auch der Himmel am späteren Abend und die Gedanken
wandern unwillkürlich zu Gene Kelly, der 1929 den Film-Hit „Singin`
in the rain“ berühmt gemacht hat. Der Himmel, der es während des
ersten Sets noch gut mit den Jazz-Fans gemeint hat, öffnete seine
Schleusen. Doch die Jazz-Freunde harren aus. Sie lauschen fasziniert
der ausdrucksstarken Stimme im sensibel eingestimmten Trio mit dem
Gitarristen Wesley G. und dem Bassisten Rudi Engel bis zum letzten
Akkord der Zugabe „What are you doing the rest of your life“. Sie
sitzen an offenen Fenstern des Saales, unter großen Schirmen oder am
Bühnenrand.
Kraftvoll shoutend und zugleich voller Inbrunst klingt die Sängerin aus der Pfalz beim blues- und gospelgetränkten „God bless your child“. Sie setzt ihre Stimme feinfühlig und getragen Charlie Chaplins „Smile“ ein und lässt sie mit Schalzern und scattend im „Summer Samba„ leichtfüßig tanzen“. Traumhaft sicher ist die Kommunikation mit ihren beiden gleichberechtigten Mitmusikern. Ihnen bleibt viel Raum für Solo-Passagen, die Wesley G., ein Schöngeist des Saitenspiels, in melodiösen Notenketten elegant aus der Gitarren fließen lässt. Offensichtlich dem Wohlklang verpflichtet, bleibt er auch in rasenden Läufen stets transparent, filigran und melodisch. Charakteristisch ist seine Liebe zu Lyrismen und ästhetisch wirkenden Akkordeinwürfen in den Balladen. In „Twisted“ antwortet Wesley als Gag ohne Verstärkung musikalisch auf den Bassisten. Rudi Engel brilliert seinerseits am Kontrabass mit gitarrengleichen, fingerfertigen Melodielinien, mit immer wieder kunstvollen und überraschenden harmonischen Wendungen sowie Verzierungen, die er auch in der straight marschierenden Begleitung einsetzt. Leicht „schräge“ Harmonien streicht Engel in der Balladen „You don´t know, what love is“.
Souveränen Umgang mit dem Ursprungsmaterial beweist Nicole Metzger
in der eigenständigen Interpretation berühmter Standards aus dem
American Songbook. Duke Ellingtons „Sophisticated lady“ aus dem Jahr
1933 mit seinen verblüffenden Akkordwechseln klingt frisch wie am
ersten Tag. Sie Sängerin scheint in den vergangenen Jahren weiter
gereift zu sein. Ihre Stimme ist voluminöser, facettenreicher, ihre
Präsentation vor allem emotionaler geworden. Natürlichkeit und
Kunstfertigkeit sind bei ihr keine Gegensätze. Ihre Stimme geht, um
dieses Klischee sinnvoll einzusetzen, unter die Haut.
Mit Gershwins „But not for me“ begann das Konzert, mit „Lady be
good“ aus der Feder desselben Komponisten schließt sich der Kreis an
diesem Sommerabend, an dem die Fans für ihr Ausharren im Regen von
„NM3“mit einem außergewöhnlichen Konzert belohnt wurden, zu dem die
Wormser Initiative BlueNite und der Jazzclub Rheinhessen gemeinsam
eingeladen hatten.
