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Von der Moskwa an den Kocher:
Ethno samt Rock mit den "Farlanders" in Schwäbisch Hall

 

 

 

Farlanders - Photographie: Hans KumpfSCHWÄBISCH HALL. Bei dem 1990 gegründeten "Moscow Art Trio" um den virtuosen Hornisten Arkady Schilkloper und den vorwitzigen Pianisten Mikhail Alperin bringt Sergey Starostin eine folkloristische Komponente ein und demonstriert einmal mehr das breite Spektrum des zeitgenössischen Jazztreibens in Russland. Mit der Gruppe "Farlanders" begibt sich der 1956 geborene Künstler jedoch in ein Fusion-Metier anderer Art. Betrieben wird hier ein Konglomerat von Ethno, Pop und Rock. Swingorientierte Improvisationen genießen dabei keinen Freiraum. Im Rahmen einer Mitteleuropa-Tournee gastierte das Ensemble auch in Schwäbisch Hall. Als Veranstalter fungierten der Club "alpha 60" und das städtische Kulturbüro.

In die Salzsiederstadt am Kocher zog es zu diesem außerordentlichen Konzert zwar etliche Interessenten aus der Region Mittlerer Neckar, doch bei den mittlerweile zu Tausenden in der Hohenlohe angesiedelten Russlanddeutschen stieß die Veranstaltung auf wenig Resonanz: die schmucke Hospitalkirche blieb zur Hälfte unbesetzt.

Dabei agierte die gerade von der Schweiz angereiste russische Truppe, die tags darauf einen Termin in Österreich hatte, doch geradezu ohrengefällig, übernational und zeitlos. Keine kitschige "Kalinka" samt wogenden Akkordeon-Klängen - dafür eine adrette Sängerin, viel virtuoses Holzgebläse, eine fast zur Orgel mutierende "fretless"-Bassigitarre mit sechs Saiten (Sergey Kalachev) , eine namenlose und musikalisch überflüssige E-Gitarre und ein dezentes Schlagzeug (Pavel Timofeev).

Inna Zhelannaya intoniert ihren Mezzosopran mit recht hartem Ansatz: kein klassischer "Belcanto", sondern etwas von volksmusikalische Derbheit. Sporadisch begleitete sich die Vokalistin auf der Korpusgitarre im "folk picking style" und mit einer Rassel. Von Harmonie und Himmel, von Tanz und Schatten handeln vielfach ihre liebreizenden Songs.

Beim Haller Konzert dominierte künstlerisch neben Starostin noch Sergey Klevensky. Auch er bläst die konventionelle Klarinette mit viel Vehemenz und beherrscht die diffizile Zirkularatmung, die im Prinzip minutenlange Dauertonfolgen erlaubt. Dann trötet er flink auf "tin whistles", den auf billigen Metallflöten, welche man von der angelsächsischen Folklore bestens kennt. Und die beide bläserischen Sergeys handhaben - neben diversen weiteren Flöten unterschiedlicher Klangsäulengrüße - noch ein Arsenal von altertümlichen Rohrblattinstrumenten, die eher im arabischen und indischen Raum als auf russischem Territorium vermutet werden.

Immer wieder entwickelte dieses Duo interessante Sounds. Streng nach Plan ging das Ensemble vor, und selbst eine humorvolle Bauernhofszene mit Hühnergegacker und Kuckucksrufen war bestens einstudiert. Ansonsten oft archaische Motorik und rockige Rhythmen, auch mal ein kreisender Dreiertakt - und Sergey Starostin als weiterer Sänger.


(Februar 2000)

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Text und Photographie von Hans Kumpf

 


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