

Drei Jahre später, 1974, machte dann der damals 17jährige Markus
Stockhausen beim Newcomers-Konzert des Deutschen Jazz-Festivals
in Frankfurt auf sich und seine Kölner Band „Key“ aufmerksam.
Seit dieser Zeit kenne ich ihn, und wir sind uns immer wieder
begegnet – zuletzt Ende Juli in Ludwigsburg bei der großen Gala
für den Filmmusikkomponisten Irmin Schmidt.

Stockhausen. Der berühmte Familienname hat natürlich bei der
anschließenden Karriere ziemlich mitgeholfen. Doch inzwischen
hat sich der 1957 Geborene längst als eigenständige
Künstlerpersönlichkeit profiliert. Gleichermaßen meistert
Stockhausen jun. rasante Jazzimprovisationen, lyrische
Abgeklärtheiten als auch auswendig interpretierte
Diffizilkompositionen wie „Michaels Reise um die Erde“ (1978)
seines Über-Vaters.
Fast unzählige (eigene) Projekte hat Markus Stockhausen in den
vergangenen vier Jahrzehnten betrieben. „Einige sind nach wie
vor aktuell und entwickeln sich immer weiter“, resümiert er und
fährt in einer E-Mail-Antwort fort: „Ich wollte in meiner Musik
immer einen eigenen Klang haben, der sich vom üblichen Jazz
unterscheidet. Das Trio mit Rainer Brüninghaus war für mich ein
wichtiger Start. Diesen Sound versuchte ich in APARIS mit Simon,
meinem Bruder, und dem Perkussionisten Jo Thönes auf viel
komplexere Weise fortzusetzen. Dann wieder einfacher mit Angelo
Comisso, Christian Thomé im Trio LICHTBLICK. Eine andere Schiene
sind die ganz freien Projekte, KAIROS, POSSIBLE WORLDS, KARTÀ,
ELECTRIC TREASURES, da gibt es eine klare Linie, die sich immer
weiter entwickelt hat, mit wunderbaren Musikern wie Arild
Andersen, Vladyslav Sendecki, Patrice Héral und vielen anderen
zuvor. Songs, Kompositionen und das freie, intuitive Spiel - auf
allen Ebenen hat sich meine Musik weiterentwickelt, in Spiralen,
man kommt an ähnliche Punkte aber auf einer anderen Ebene.
ETERNAL VOYAGE ist ein ganz anderer Ansatz, ein Hauch von
Weltmusik, sehr melodisch, und Gesang mit arabischen Texten...
ein neues Abenteuer mit neuen Freunden...“
Zusammen
mit dem polnischen Pianisten Vladyslav Sendecki, der ja
mittlerweile in der NDR-Big-Band ein musikalisches Zuhause
gefunden hat, gratulierte Markus Stockhausen Anfang August in
Warschau dem Komponisten Frédéric alias Fryderyk Chopin zu
dessen 200. Geburtstag.
Dann wollte ich von Markus Stockhausen noch wissen, wie es mit
seinen zukünftigen - kompositorischen – Projekten aussehe. Auch
hier antwortete er mir ausführlich: „Ein Solostück für Trompete,
ein Stück für hunderte von Laienbläsern für die
Niedersächsischen Musiktage 2011 in Cuxhaven, ein neues Stück
für das Metropol Orchestra, die im Juni 2011 meine Stücke
TANZENDES LICHT und SYMBIOSIS aufführen, mit Tara Bouman und mir
als Solisten, und dann, seit einiger Zeit schwelt ein Feuer in
mir für ein großes Orchesterstück, das eventuell 2012 in
Dortmund uraufgeführt werden soll. Viel Arbeit neben allen
Konzerten und Workshops... Mein Stück „Olivers Abenteuer“ für
Kinderorchester mit Chor wurde gerade in Köln ganz wunderbar
fünf Mal aufgeführt, mit 180 Kindern auf der Bühne, und ich
durfte dirigieren... Oft weiß ich nicht, was als nächstes
geschieht. Ich fühle mich leer, und dann plötzlich geschieht
ganz viel. Dinge zeigen sich und ich versuche, möglichst klar
zum Ausdruck zu bringen, was sich in mir zeigt. Spannend!“

Noch immer ist Markus Stockhausen seinem jazzenden
Trompetenlehrer Manfred Schoof dankbar: „Von etwa 1975-78 war
ich sein Schüler in der gerade in Gründung befindlichen
Jazzabteilung der Kölner Musikhochschule. Aber schon zuvor,
1973/74 begegneten wir uns zwei Mal intensiv bei den legendären
Remscheider Jazzkursen. Die prägten mich tief. Da waren Alex
Schlippenbach, Jasper van't Hof, Stu Martin, Peter Trunk, Philip
Catherine und viele andere wichtige Musiker. 1982 machte ich als
erster Blechbläser an der Kölner MHS ein Konzertexamen, in dem
ich Klassik, zeitgenössische Werke und Jazz mischte. Manfred
Schoof war mit dabei.“

Befragt nach seiner Beziehung zu dem anderen deutschen
Trompeten-Star Till Brönner antwortete mir Markus Stockhausen
überaus diplomatisch: „Till ist ein lieber Kollege, ein sehr
guter Trompeter, ein genialer Entertainer, Produzent, ein
Multitalent. Till bezieht sich in seiner Musik immer wieder auf
die Tradition des Jazz. Ich dagegen, als Stockhausen-Sohn,
versuche immer wieder Neues zu schaffen. Aber, gibt es das Neue
überhaupt? Ungern vergleiche ich mich da. Wir gehen ganz
verschiedene Wege. Andere wie Du können das besser aus einer
Perspektive beschreiben.“
Weitere Informationen über Markus Stockhausen, seine Platten und
seine Musikerkollegen findet man im Internet unter
www.aktivraum.de sowie bei
Wikipedia.

![]()
![]()
Text und Photographie von
Hans Kumpf